Freitag, 28. Mai 2010
Ältere Menschen auf Reisen

Vortrag vom 18.05.2010 - AWO Hohle Eiche 81, Dortmund


Im Rahmen einer Veranstaltung der AWO wurde das Thema Reisen - insbesondere für ältere Menschen und den damit verbundenen Herausforderungen behandelt.

Selbstverständlich muss jeder Einzelne die Empfehlungen, die hier gemacht werden,  selbst überprüfen und gegebenenfalls mit seinem Hausarzt/Facharzt besprechen. Es können nur hier Grundzüge aufgezeigt werden.

Was versteht man unter einer "Reise"?

Unter Reise wird jede Unternehmung fern vom Wohnort verstanden, die mindestens eine Woche oder länger dauert.

Wenn wir dabei über ältere Menschen reden, dann heißt das in diesem Fall, ab einem von 60 Jahren.

Die Frage nach dem Wohin?

Am besten dahin, wo man früher war, wo man das Klima, den Ort, die Menschen kennt und am ehesten dort, wo man sich in der eigenen Sprache verständigen kann. So bleibt das Risiko für Schäden, Enttäuschungen gering. Wenn man in entferntere Gegenden aufbricht, dann am besten zu zweit reisen, das gibt einfach eine größere Sicherheit bei Problemen.

Höhen bis 1500 m, ja bis 2000 m, wenn man länger als eine Woche bleibt, sind durchaus in der Regel ohne gesundheitliche Probleme, ohne Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit möglich. Bei Lungen- oder Herzerkrankungen sollte der Hausarzt/Facharzt gegebenenfalls gehört werden.

Ostsee oder Nordsee, kontinentales gegenüber wechselhaftem Seeklima, sind nicht die entscheidenden Unterschiede. Wer die Nordsee liebt und verträgt, wird dort auch Urlaub machen. Wer unter wechselhaftem Klima, starkem Wind, heftigem Regen leidet, ist an der Ostsee in der Regel
besser unter gebracht. Im deutschen Alpenvorland und den Nordalpen sollte sich nur jemand aufhalten, der nicht für Föhn empfindlich ist. Herzkranke, vor allem Erkrankungen der Herzklappen, sind für Föhn anfälliger. Seilbahntransporte bis 3000 m sind möglich, man sollte in dieser Höhe jedoch wissen, dass fast jeder unter dem relativen Sauerstoffmangel anfangs leidet: Müdigkeit, Kopfdruck können auftreten und Atemnot beim Gehen in der Ebene ist durchaus üblich, auch bei Menschen, die nicht an einer Lungen- oder Herzkrankheit leiden.

Wann?

Die besten Reisezeiten Frühling/evtl. Frühsommer und Herbst. Hitze vor allem in Mittelmeerländern im Sommer meiden, z.B. in Italien den Monat August meiden, da Schulferien.

Womit?

Auto, Bahn, Omnibus, Flugzeug, Schiff als Möglichkeit.
Das Auto ist fraglos am beliebtesten, weil man individuell die Reise gestalten kann. Pausen bei längeren Strecken einhalten, mindestens eine Pause von einer viertel bis besser halben Stunden alle zwei Stunden.

Bahn ist schwierig und unbeliebt; das Einsteigen ist schwierig, das Unterbringen von Koffern ist anstrengend und unbequem. Eventuell Koffer von zu Hause abholen lassen und direkt an den Zielort senden lassen.

Omibus für Gruppenreisen sehr beliebt. In der Regel gute Betreuung auf der Reise, auch bei Krankheiten Hilfe durch Gruppenleiter möglich. Beachten, ob die Ausflüge nicht zu anstrengend sind, ob die Teilnehmer nicht zu jung sind und zu schnell alle Ziele ablaufen werden.

Flugzeug sehr angenehm für größere Strecken. Reisen über Nacht in der Economie-Klasse anstrengend, da man im Sitzen versuchen muss zu schlafen. Manchmal Reisen auch zur Tageszeit möglich, allerdings nicht auf allen Strecken. Längere Strecken z.B. nach Australien eine Unterbrechung einplanen, da ein 18-stündiger Flug mitunter sehr unangenehm; in der Regel wird davon aber kein Gebrauch gemacht; man möchte schnell da sein.

Schiff: sehr bequem. Die angebotenen Ausflüge beachten, ob man sich die körperliche Belastung bei den Landausflügen zutraut; ob Einstieg ins Schlauchboote oder ähnliches nicht zu anstrengend.

Wie vorbereiten?

Check beim Hausarzt, Unterlagen über wichtige Krankheiten und Medikamente zusammenstellen. Reiserücktrittsversicherung abschließen. Medikamente in ausreichender Menge mitnehmen, empfehlenswert zweimal: einmal in der Handtasche etc., die zweite Portion im Koffer, wenn eines von beiden verschwindet, ist eine Reserve vorhanden.

Was mitnehmen?

Notfallapotheke individuell zusammenstellen. Neue, noch nie eingesetzte Medikamente werden erfahrungsgemäß nicht gerne eingenommen, man schleppt überflüssige Medikamente mit sich herum. Ein Arztbrief mit einer Zusammenfassung der wichtigsten Erkrankungen ist sehr nützlich im Falle eines Arztbesuches oder Aufenthalts im Krankenhaus auf der Reise. Gegen Krankheit ist für die meisten Länder eine Reiseversicherung wichtig. An Vorbereitung mit Impfungen, je nach Reiseland, denken.

Was unternehmen?

Sauna: möglich, aber kein Tauchbecken mit kaltem Wasser, da starke plötzliche Blutdruckerhöhung. Thermalsole: nicht zum Schwimmen, eher zum Planschen geeignet, nicht länger als 20 Minuten, dann mindestens doppelt so lange Pause. Eventuell mehrmals am Tag hintereinander. Wanderungen: auf Pausen achten und rasche Rückkehrmöglichkeit bedenken (Abkürzung, Rückholung durch Taxi oder andere Verkehrsmittel), langsam die Belastung steigern, in der Ebene beginnen.

Wie von der Reise zurücktreten?

Reiserücktrittsversicherung hat fast jeder. Es muss sich schon um eine Erkrankung handeln, die zum Rücktritt führt. Allgemeines Unwohlsein, Unlust genügen als Begründung nicht.