Am 20. März 2010 fand erneut im Dietrich-Keuning-Haus in Dortmund ein informativer Patiententag des Praxisnetzes Ruhrgebiet Ost der niedergelassenen Kardiologen, PRO Herz e.V., statt. Im Rahmen dieser Veranstaltung hat Herr Dr. Golling einen Vortrag zum Thema Impfungen für Herzkranke gehalten.
Einige wichtige Hinweise und Tipps haben wir hier für Sie festgehalten. Bei weiter gehenden oder individuellen Fragen, stehen wir Ihnen selbstverständlich gerne zur Verfügung.
Nur 50 % ausreichend geschützt
Nur etwa 50 % der herzkranken Menschen sind ausreichend gegen Infektionskrankheiten geschützt. Mindestens 5 Impfungen benötigt jeder herzkranke Mensch. Impfungen werden mit Stoffen vorgenommen, die eine gewisse Zeit und für eine bestimmte Dauer einen Schutz gegen eine spezifische Infektionskrankheit hervorrufen können.
Hier ist nicht die Rede von einer Impfung gegen Herzkrankheiten. Es ist nicht so, dass sich bei einem gesunden Menschen Herzkrankheiten durch eine vorbeugende Impfung verhindern lassen. So wünschenswert dies auch wäre, leider geht das bisher nicht: denn Impfungen sind – von experimentellen Ausnahmen abgesehen – nur gegen Infektionskrankheiten gerichtet. Aber: man kann durch eine Impfung gegen eine bestimmte Infektionskrankheit unter Umständen eine Komplikation am Herzen verhindern. Deswegen interessiert sich auch der Kardiologe für dieses Thema.
Es geht hier ebenfalls nicht um Impfungen bei Reisen in ferne Länder. Vielmehr heißt „Impfungen für Herzkranke“ – es geht hier um Menschen, die schon an einer Herzkrankheit leiden und eine Impfung gegen eine Infektionskrankheit benötigen, um diese zu verhindern.
Impfung als Schutz gegen Infektionskrankheiten
Patienten mit Herzkrankheiten können zum Schutz gegen Krankheiten, wie gesunde Menschen auch, geimpft werden. Dennoch bleibt es immer dem Ermessen und der Entscheidung des impfenden Arztes vorbehalten, ob, wann und mit welchem Stoff geimpft wird. Geimpft wird der Patient in der Regel beim Hausarzt oder dem hausärztlich tätigen Internisten, manchmal ist auch ein Arzt des Gesundheitsamtes dafür zuständig. Wenn der Kardiologe zu diesem Thema spricht, dann kann er nur eine Anregung zur Impfung geben. Dazu ist er aufgerufen, weil von den als notwendig erachteten Impfungen bei Herzkrankheiten nur etwa 50 % der daran erkrankten Patienten Gebrauch machen.
Ob eine Impfung für die Bevölkerung dieses Landes sinnvoll ist, entscheidet nicht der einzelne Arzt, sondern die sogenannte „Ständige Impfkommission“, (kurz: STIKO). Sie formuliert Leitlinien. Diese Leitlinien beziehen sich zum Einen auf bestimmte Altersgruppen wie Säuglinge, Kinder, Jugendliche und auch ältere Menschen, zum Anderen auf bestimmte Krankheiten, die eine bestimmte Impfung benötigen. Die Empfehlungen der STIKO werden in kurzen zeitlichen Abständen aktualisiert.
Insgesamt sprechen wir hier über 5 Impfungen, die heute unbedingt bei schon bestehender Herzkrankheit nötig erscheinen; zwei davon für Herzkranke unabhängig vom Alter und drei Impfungen, die ganz allgemein, auch beim älteren Menschen aufgefrischt werden müssten, wenn sie als Kind oder Jugendlicher verabreicht wurden, um auch noch im höheren Alter gegen diese Erkrankungen geschützt zu sein.
Es handelt sich um die folgenden Impfungen:
A. Herzkranke unabhängig vom Alter sind zu impfen, zudem Gesunde indiziert ab dem 60. Lebensjahr
- gegen Influenza mit der klassischen „Grippeimpfung“
- gegen Pneumokokken, eine Entzündung der Lunge
B. Herzkranke und Gesunde sind zu impfen:
- gegen Diphtherie, eine schwere Allgemeinerkrankung, die mit einer starken Entzündung im Rachenraum und den Tonsillen („Mandeln“) beginnen kann,
- Tetanus, als Wundstarrkrampf bekannt, der dadurch entsteht, dass kleine oder großflächige Wunden mit dem Erreger in Kontakt kommen,
- Pertussis oder auch Keuchhusten genannt, eine Erkrankung des Kleinkindes, das aber über ältere Menschen angesteckt werden kann, die selbst nicht unbedingt erkennbar, daran erkrankt sind.
Die Grippeimpfung ist jedes Jahr nötig; sie wird immer neu zusammengesetzt, um gegen aktuell vorkommende Viren zu schützen; sie hält maximal ein Jahr. Sie wird unter 65 Jahren mit einem üblichen Grippeimpfstoff vorgenommen, bei über 65 Jahren wird geraten, diese mit einem verstärkten Impfstoff vorzunehmen, der ein sogenanntes Adjuvans enthält. Der Grund für dieses dem Impfstoff zugefügte Adjuvans, auch als Verstärker zu bezeichnen, ist der folgende: in höherem Alter entwickeln sich die Abwehrstoffe gegen die Influenza weniger stark bei alleiniger Gabe des Impfstoffs, die Abwehrkräfte des Geimpften können durch das Adjuvans verstärkt werden und auch der auf diese Geimpfte ist auch gegen eine sogenannte Gendrift des Influenzavirus, eine mit der Zeit vorkommende Abwandlung des schädlichen Virus, zusätzlich geschützt. Bisherige Ergebnisse aus kleinen Beobachtungsgruppen sprechen dafür, dass damit auch Schlaganfälle und Herzinfarkte verhindert werden könnten. Die gleichzeitig bestehende Herzerkrankung begünstigt einen bedrohlichen Verlauf der Influenza.
Die Impfung gegen Pneumokokken ist vorbeugend alle 5 bis 6 Jahre nötig. Die Pneumokokken-Erkrankung kann bei gleichzeitiger Herzerkrankung einen schweren, bedrohlichen Verlauf nehmen.
Die Diphtherie wird nur dann in einem Land endemisch nicht ausbrechen, wenn eine ausreichend große Zahl dagegen geimpft ist. Der Erreger ist nicht auszurotten. Der Impfschutz bei Kindern und Jugendlichen ist hierzulande ausreichend; es ist aber nötig die Impfung zum Schutz aller im Abstand von 10 Jahren aufzufrischen, wenn eine vollständige Immunisierung in der Jugend stattgefunden hat.
Der Wundstarrkrampf, Tetanus, führt auch heute noch, trotz maximaler Behandlung, in 30 bis 50 % aller Patienten zum Tod. Er entsteht auch durch unbemerkte, minimale Verletzungen wie zum Beispiel dem Stich an dem Dorn einer Rose. Bis zum Ausbruch der Erkrankung können unter Umständen Monate vergehen. Der Erreger ist im Erdreich und lässt sich nicht ausrotten. Der einzelne sollte sich gegen diese verhinderbare Infektion alle 10 Jahre wieder impfen lassen, denn nur dadurch kann eine Neuinfektion verhindert werden. Wer nicht bisher geimpft ist, braucht eine sogenannte Grundimmunisierung.
Pertussis oder Keuchhusten sollte auch innerhalb von 10 Jahren aufgefrischt werden, um die für Kleinkinder gefährliche Infektion zu verhindern. Es können die Großeltern ihre Enkel anstecken, wenn sie nicht geimpft sind, ohne selbst erkrankt zu sein.
Alle sollten einen internationalen Impfpass haben, ein kleines gelbes Heft, in den alle Impfungen eingetragen werden können. Wer keinen Impfpass hat, sollte versuchen, sich zu erinnern: welche Impfungen habe ich wahrscheinlich bekommen und wenn ja, wann?
Wer geimpft werden muss, und eine sogenannte Antikoagulation einnimmt, zum Beispiel Marcumar, Coumadin, Phenprocoumon oder Ähnliches sollte den Arzt darauf hinweisen. Er wird einen Weg finden, den passenden Impfstoff zu geben.





